20.01.13, 12:38
Teil 8
"Du kannst dich an den Borgward doch noch erinnern?" fragt Paul leise seine Gerda, als sie schon kurz vor dem Einschlafen ist, "ja sicher, das grüne Ding, damit sind wir doch zusammen gefahren,....und nun schlaf."
Paul mach die Knöppe zu und langsam formt sich das Bild seines ersten Autos, wie "Das erste Mal" einer Frau für immer im Gedächtnis bleibt, vergisst ein Mann sein erstes Auto nie!
Die Lehre war beendet, den Dienst in seiner ersten Arbeitsstelle hatte er angetreten und, mit erst 17 Jahren, fuhr er noch mit seinem Kleinkraftrad dorthin. Natürlich hatten die, dort schon länger tätigen, älteren Kollegen, alle ihre eigenen Autos. In Erinnerung geblieben sind dem Paul aber nur wenige, eher auffällige Modelle.
Da war "Bube" mit seinem Lombardi, so ein Minilamborghini mit Fiat Fahrgestell, (bei google Bilder mal "Lombardi Grand Prix 850" eingeben) der fuhr damals, nach einer heftigen Diskussion, ein Rennen mit dem Wester, der nämlich besaß einen NSU TT in orange mit aufgestellter Motorhaube und glaubte, alles bügeln zu können. Der Werner hatte einen Rekord C Sprint Coupe, damals sehr beeindruckend und "Ghandi" kam täglich mit einem roten MGA. Ihm hat Paul später mal geklaute Lastwagenfarbe gegeben, damit hat er das Teil neu lackiert,....er besitzt ihn übrigends heute noch, 40 Jahre später.
Die Krönung aber war "Schulzi" mit seinem "Daimler". Dies war ein alter Mercedes 170, lackiert in den Dortmunder Stadtwerkefarben, Braun/Beige, über dem Heckfenster prangte der Schriftzug, "EXITUS". Dieser Schulzi bot sich also an, Paul und seinen Vater, den Führerschein sollte Paul erst einen Monat später, an seinem 18. Geburtstag bekommen, zu dem Borgward, den er von seinem ersten Lohn kaufte, zu bringen.
300 Mark hat diese Karre gekostet und sie war jede einzelne Mark wert! Rein objektiv gesehen nicht aber das Gefühl, ein erstes, eigenes, völlig selbst gekauftes Auto zu besitzen, schon, einfach unbezahlbar dieser Eindruck für Paul.
Aber der Wagen sollte heim und dies zu bewerkstelligen, musste sein Vater ran, die Freunde sollten noch nichts davon wissen, man stand halt auf seine kleinen Überraschungen, damals. Das Drama nahm schon mit der Mitteilung, "Ich habe ein Auto gekauft" seinen Lauf. Großes Erstaunen daheim, "was für ein Auto?" wollte seine Mutter wissen, "Einen Borgward Isabella Coupe", gab er wahrheitsgemäß zur Antwort. "Sowas Beklopptes!" kam mit erhobener Stimme aus dem Wohnzimmer, der Vater erhob sich, schritt in die Küche und wollte nähere Angaben. Wie alt, wie teuer und wo isses, wollte er wissen. Paul tat kund, was er den von dem Karren wusste, viel war es nicht, nur das er "TÜV" hatte und sie eine Luftpumpe mitnehmen müssen, weil die Reifen platt sind.
Oje, da ging dann echt die Post ab! "Einen alten Karren von so einer Pleitefirma, für den Schrott bekommst du keine Teile und Werkstätten gibts auch nicht mehr!" verkündete sein Vater, stinkensauer, wohl auch, weil er es versäumt hatte, seinen kundigen Rat vorab einzuholen und alles ohne ihn durchgezogen hatte.
Die Unterschrift für die Versicherung und Zulassung wollte man Paul zunächst verweigern, die Ankündigung, seinen Onkel darum zu bitten, gab nachher den Ausschlag. (Diese kurze Verweigerung der Unterschriften mit anschließender Diskussion gab es in den Folgejahren noch zigmal, konnte man damals doch erst mit 21 die Volljährigkeit erreichen)
Wie auch immer, die begehrte Unterschrift gabs dann doch und als in der Versicherungspolice stand, der Borgward sei mit 150 km/h Höchtgeschwindigkeit, ein sportliches Fahrzeug, machte sogar der kleine Aufpreis dafür nichts aus. Einige Tage später waren die Kennzeichen beschafft und die Reise mit Schulzi und seinem EXITUS konnte beginnen.
Als Pauls Vater das Vehikel erblickte, war er sichtlich erschüttert, was mögen die Kollegen sagen, wenn sie ihn in diesem Ding erblicken würden, mussten sie doch an der Arbeitsstelle bei "Kalle Hoesch" vorbei.....die flaschengrün und dadurch fast undurchsichtigen, mit Glasfarbe lackierten Scheiben waren kein großer Trost, mit einigem Zureden ging es dann aber doch, auch wenn Schulzi dem Herrn Vater äußerst suspekt war. "Schulzi" hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Lindenberg. Er war damals recht dürr, trug "kultige" Klamotten, zottelige, lange Haare, auch im Gesicht, dort aber mehr lang als voluminös, hatte die Ruhe weg und sprach auch so. "G u t, ....i c h... f a h r e... e u c h... d a n n... m i t... m e i n e m... D a i m l e r... n a c h... H u c k a r d e...." Sehr betont und gedehnt, auch den Udo sehr ähnlich.
So fuhren sie also los, Pauls Vater hielt sich seine Aktentasche vors Gesicht als es an seiner Arbeitsstelle vorbei ging und EXITUS begann den Anstieg in Richtung Stadtmitte unter die dürren Räder zu nehmen, die hohe und lange Motorhaube wie ein Schiffsbug voran. Schon damals war die Märkische Straße schon zweispurig in jede Richtung und, fast wie heute, grad zum Feierabendverkehr, recht stark befahren. Kurz vor der Tewaagstraße, man kann es bei maps gut nachsehen wie die Örtlichkeiten sind, der Anstieg war halb geschafft, machte sich ein Geruch breit, wie in Mutters Waschküche und...
LG Bea
"Du kannst dich an den Borgward doch noch erinnern?" fragt Paul leise seine Gerda, als sie schon kurz vor dem Einschlafen ist, "ja sicher, das grüne Ding, damit sind wir doch zusammen gefahren,....und nun schlaf."
Paul mach die Knöppe zu und langsam formt sich das Bild seines ersten Autos, wie "Das erste Mal" einer Frau für immer im Gedächtnis bleibt, vergisst ein Mann sein erstes Auto nie!
Die Lehre war beendet, den Dienst in seiner ersten Arbeitsstelle hatte er angetreten und, mit erst 17 Jahren, fuhr er noch mit seinem Kleinkraftrad dorthin. Natürlich hatten die, dort schon länger tätigen, älteren Kollegen, alle ihre eigenen Autos. In Erinnerung geblieben sind dem Paul aber nur wenige, eher auffällige Modelle.
Da war "Bube" mit seinem Lombardi, so ein Minilamborghini mit Fiat Fahrgestell, (bei google Bilder mal "Lombardi Grand Prix 850" eingeben) der fuhr damals, nach einer heftigen Diskussion, ein Rennen mit dem Wester, der nämlich besaß einen NSU TT in orange mit aufgestellter Motorhaube und glaubte, alles bügeln zu können. Der Werner hatte einen Rekord C Sprint Coupe, damals sehr beeindruckend und "Ghandi" kam täglich mit einem roten MGA. Ihm hat Paul später mal geklaute Lastwagenfarbe gegeben, damit hat er das Teil neu lackiert,....er besitzt ihn übrigends heute noch, 40 Jahre später.
Die Krönung aber war "Schulzi" mit seinem "Daimler". Dies war ein alter Mercedes 170, lackiert in den Dortmunder Stadtwerkefarben, Braun/Beige, über dem Heckfenster prangte der Schriftzug, "EXITUS". Dieser Schulzi bot sich also an, Paul und seinen Vater, den Führerschein sollte Paul erst einen Monat später, an seinem 18. Geburtstag bekommen, zu dem Borgward, den er von seinem ersten Lohn kaufte, zu bringen.
300 Mark hat diese Karre gekostet und sie war jede einzelne Mark wert! Rein objektiv gesehen nicht aber das Gefühl, ein erstes, eigenes, völlig selbst gekauftes Auto zu besitzen, schon, einfach unbezahlbar dieser Eindruck für Paul.
Aber der Wagen sollte heim und dies zu bewerkstelligen, musste sein Vater ran, die Freunde sollten noch nichts davon wissen, man stand halt auf seine kleinen Überraschungen, damals. Das Drama nahm schon mit der Mitteilung, "Ich habe ein Auto gekauft" seinen Lauf. Großes Erstaunen daheim, "was für ein Auto?" wollte seine Mutter wissen, "Einen Borgward Isabella Coupe", gab er wahrheitsgemäß zur Antwort. "Sowas Beklopptes!" kam mit erhobener Stimme aus dem Wohnzimmer, der Vater erhob sich, schritt in die Küche und wollte nähere Angaben. Wie alt, wie teuer und wo isses, wollte er wissen. Paul tat kund, was er den von dem Karren wusste, viel war es nicht, nur das er "TÜV" hatte und sie eine Luftpumpe mitnehmen müssen, weil die Reifen platt sind.
Oje, da ging dann echt die Post ab! "Einen alten Karren von so einer Pleitefirma, für den Schrott bekommst du keine Teile und Werkstätten gibts auch nicht mehr!" verkündete sein Vater, stinkensauer, wohl auch, weil er es versäumt hatte, seinen kundigen Rat vorab einzuholen und alles ohne ihn durchgezogen hatte.
Die Unterschrift für die Versicherung und Zulassung wollte man Paul zunächst verweigern, die Ankündigung, seinen Onkel darum zu bitten, gab nachher den Ausschlag. (Diese kurze Verweigerung der Unterschriften mit anschließender Diskussion gab es in den Folgejahren noch zigmal, konnte man damals doch erst mit 21 die Volljährigkeit erreichen)
Wie auch immer, die begehrte Unterschrift gabs dann doch und als in der Versicherungspolice stand, der Borgward sei mit 150 km/h Höchtgeschwindigkeit, ein sportliches Fahrzeug, machte sogar der kleine Aufpreis dafür nichts aus. Einige Tage später waren die Kennzeichen beschafft und die Reise mit Schulzi und seinem EXITUS konnte beginnen.
Als Pauls Vater das Vehikel erblickte, war er sichtlich erschüttert, was mögen die Kollegen sagen, wenn sie ihn in diesem Ding erblicken würden, mussten sie doch an der Arbeitsstelle bei "Kalle Hoesch" vorbei.....die flaschengrün und dadurch fast undurchsichtigen, mit Glasfarbe lackierten Scheiben waren kein großer Trost, mit einigem Zureden ging es dann aber doch, auch wenn Schulzi dem Herrn Vater äußerst suspekt war. "Schulzi" hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Lindenberg. Er war damals recht dürr, trug "kultige" Klamotten, zottelige, lange Haare, auch im Gesicht, dort aber mehr lang als voluminös, hatte die Ruhe weg und sprach auch so. "G u t, ....i c h... f a h r e... e u c h... d a n n... m i t... m e i n e m... D a i m l e r... n a c h... H u c k a r d e...." Sehr betont und gedehnt, auch den Udo sehr ähnlich.
So fuhren sie also los, Pauls Vater hielt sich seine Aktentasche vors Gesicht als es an seiner Arbeitsstelle vorbei ging und EXITUS begann den Anstieg in Richtung Stadtmitte unter die dürren Räder zu nehmen, die hohe und lange Motorhaube wie ein Schiffsbug voran. Schon damals war die Märkische Straße schon zweispurig in jede Richtung und, fast wie heute, grad zum Feierabendverkehr, recht stark befahren. Kurz vor der Tewaagstraße, man kann es bei maps gut nachsehen wie die Örtlichkeiten sind, der Anstieg war halb geschafft, machte sich ein Geruch breit, wie in Mutters Waschküche und...
LG Bea
Cabrio-Fahrer leben nicht laenger, sie sehen nur BESSER aus!
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R129 Mitten im Pott
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